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Der Feldhamster - Gejagt, vertrieben und fast ausgerottet

Ein Jahr im Leben des Feldhamsters

Ende August, manchmal auch erst im September oder Oktober beginnen die Feldhamster mit ihrem Winterschlaf. Sie schlafen aber nicht die gesamte Zeit bis April durch, sondern erwachen anfangs sogar täglich, um von ihren Vorräten zu fressen. Im Laufe des Winters werden die Schlafpausen immer länger. Trotz gut gefüllter Vorratskammern verlieren die Tiere dabei etwa ein Drittel ihres Körpergewichtes. Zum Überleben benötigen sie 2 bis 4 kg Wintervorrat (die Tiere, die nicht genügend Nahrung sammeln konnten, überleben den Winter nicht), allerdings sind sogar schon Vorratskammern mit 20-30 kg gefunden worden. Daher wurde Feldhamster sogar bis in die 70er-Jahre hinein als Plage betrachtet. Bekämpfungsaktionen und ein professioneller Fang für die Pelzwirtschaft, waren in vielen Teilen Deutschland üblich und hungernde Menschen machten sich sogar über die gut gefüllten Vorratskammern her.

Feldhamster im Kornfeld
Feldhamster im Kornfeld
Feldhamster im Wasser
Im Gegensatz zu ihren kleineren Verwandten gehen Feldhamster auch schon mal baden.

Ende März, Anfang April werden die Winterbaue wieder geöffnet und die Feldhamster können sich wieder am frisch gedeckten Tisch von Mutter Natur laben. Schließlich haben sie während des Winterschlafs ca. ein Drittel ihres Gewichtes verloren. Aber nicht nur Grünzeug, Samen und Körner stehen auf dem Speiseplan, denn Feldhamster sind keinesfalls Vegetarier, auch Käfer, Maden, Regenwürmer und sogar Mäuse werden gefressen. Wieder zu Kräften gekommen beginnt dann die Paarungszeit. Die aggressiven Einzelgänger machen sich dann auf Partnersuche und hat ein Männchen in seinem Revier ein paarungsbereites Weibchen geortet, beginnt das Paarungsritual. Ist das Weibchen bereit verschwindet sie in ihrem Bau und er folgt ihr vorsichtig. Unter der Erde folgt dann der eigentliche Paarungsakt.

Sobald das Weibchen allerdings trächtig ist, ist Schluss mit der so friedlichen Partnerschaft und das Männchen wird recht unsanft aus dem Bau getrieben. Jetzt beginnt die Partnersuche für ihn von vorne. In seinem Revier paart er sich meist mit mehreren Weibchen. Das trächtige Weibchen bereitet sich und vor allem den Bau auf den kommenden Nachwuchs vor. Nach ca. 20 Tagen ist es dann soweit, die unbehaarten und blinden Babys kommen auf die Welt. Die Wurfgröße liegt so ca. bei 4-12 Jungtieren. Kaum auf der Welt suchen sich die Kleinen einen guten Platz an eine der 8 Zitzen der Mutter. Denn für die nächsten zwei Wochen ist die Muttermilch die einzige Nahrungsquelle, dann beginnen die Kleinen so langsam auch selbständig Körner und Grünzeug zu verzehren, welches die Mutter mit ins Nest gebracht hat. Für sie wird die Zeit jetzt immer stressiger und sie ist fast ständig damit beschäftigt ihre unternehmungslustigen Jungen einzusammeln und zurück ins Nest zu bringen. Mit ca. 3 Wochen verlassen die Kleinen dann erstmalig den Bau und folgen der Mutter durchs Revier. Früher ging man davon aus, dass die Mutter ihren Nachwuchs mit ca. 4 Wochen aus dem Bau vertreibt, aber jüngste Untersuchungen ergaben, dass es genau umgekehrt ist. Denn die Jungtiere vertreiben die Mutter und diese macht sich dann rasch ans Werk, in sicherer Entfernung einen neuen Bau anzulegen, denn in der Regel bekommt das Weibchen im Sommer ein zweites Mal Junge.

Feldhamster im Kornfeld
Auch hier in Europa bewohnt der Feldhamster Flur und Feld.

Man könnte meinen, dass die Feldhamster im Frühjahr ein nahezu paradiesisches Leben führen, doch der Schein trügt. Neben den natürlichen Feinden, ist gerade die moderne Landwirtschaft zu einer erheblichen Bedrohung für die Tiere geworden. Denn die frühe und extrem automatisierte Ernte sorgt dafür, dass dem Feldhamster von heute auf morgen sowohl der natürlich Schutz der Felder, als eben auch die Futterquelle genommen wird. Daneben fallen auch einige Tiere den Maschinen zu Opfer. Jetzt müssen die emsigen Sammler teilweise recht weite Strecken zurücklegen, um noch an Nahrung zu kommen und mit dem Anlegen der Vorratskammern wird eigentlich auch erst Anfang August begonnen. So mancher Feldhamster kann sich da glücklich schätzen, dass er sein Revier in der Nähe eines Maisfeldes hat, dieser wird nämliche erst wesentlich später geerntet und bietet somit noch nahezu ideale Bedingungen für die Tiere.

Dies alles hat zur Folge, dass man feststellen muss, dass heute in vielen Gemeinden mit traditionellen Hamstervorkommen, diese völlig verschwunden sind oder es werden nur noch einzelne Tiere festgestellt. Viele Menschen haben noch nie einen Feldhamster gesehen oder meinen es handelt sich um einen entflohenen Goldhamster. Daher wird der Feldhamster auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere der Bundesrepublik Deutschland als "stark gefährdet" eingestuft. Nach der Bundesartenschutzverordnung §13 gehört er zu den besonders geschützten Tierarten und ist durch die europäische Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie geschützt. Leider macht die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft diesen Schutz weitgehend unwirksam, da der Lebensraum Ackerland keiner Nutzungseinschränkung unterliegt. So bleibt nur zu hoffen, dass der Mensch ein Einsehen hat und diese possierlichen Tierchen nicht ganz aus unserem Leben verschwinden.