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Ursachen für Kannibalismus unter Hamstern

Leider kommt es vor - wenn auch nicht so oft - dass das Hamsterweibchen ihre Jungen kurz nach der Niederkunft auffrisst. In freier Natur geschieht dies besonders dann, wenn zu viele Tiere derselben Art auf einer bestimmten Fläche leben. In der Fachsprache bezeichnet man einen solchen Raummangel als "Crowding". Kannibalismus bei Tieren in menschlicher Obhut kann verschiedene Gründe haben.

Haltung auf Gitterboden

Ein schwangeres Hamsterweibchen darf, ebenso wie natürlich auch jeder anderer Hamster, unter keinen Umständen in einer Behausung gehalten werden, die mit einem Gitterboden ausgestattet ist oder Zusatzebenen aus einem Gittergeflecht haben, dies führt zwangsläufig zum Kannibalismus. Denn Hamster finden auf einem Gitter keinen richtigen Halt, da ihre Zehen nicht dazu in der Lage sind, etwas richtig zu umgreifen, wie z. B. ein Vogel. Das führt zu einer ständigen Unsicherheit und Stressbelastung für das Tier. Neben Kannibalismus, haben solche Haltungsbedingungen, z. B. bei einzeln gehaltenen Hamstern, oftmals auch Selbstverstümmlung zur Folge.

Junge und unerfahrene Muttertiere

Eine werdende Hamstermama sollte nicht jünger als ca. 3-4 Monate sein, wenn sie ihren ersten Nachwuchs bekommt. Eine Hamsterweibchen, welches selber nicht voll entwickelt ist, kann den Nachwuchs oftmals nicht richtig versorgen und das führt dazu, dass sie einige, mitunter auch alle, Babys auffrisst.

Häufige Zuchtnutzung

Direkt nach der Geburt, ist ein Hamsterweibchen erneut paarungsbereit, ist das Männchen noch in der Behausung, kommt es beinahe zwangsläufig direkt zu einer erneuten Schwangerschaft. Professionelle Züchter nutzen diese Gelegenheit oftmals gezielt aus, um möglichst hohe Nachwuchsraten zu erzielen. Allerdings führt eine solche Dauerbelastung sehr häufig dazu, dass der nachfolgende Wurf nicht richtig versorgt, teilweise bereits totgeboren und dann aufgefressen wird. Daher sollte zwischen den Würfen immer eine Pause von mindesten 8-12 Wochen liegen, und es sollten einem Hamsterweibchen auch nie mehr als 3-4 Würfe zugemutet werden.

Eiweißmangel

Das Muttertier hat während der Tragezeit zu wenig eiweißhaltige Nahrung bekommen oder ist zu jung. Zu junge Hamsterweibchen, bei denen die eigene körperliche Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, benötigen nämlich selber noch mehr Eiweiß.

Totgeborene oder geschwächte Babys

Wenn die Mutter das Junge abnabelt, frisst sie die Nabelschnur bis zum Körperansatz auf. Ein Hamsterbaby stößt beim Zerren an der Nabelschnur Protestschreie aus, diese lösen bei der Mutter einen Hemmmechanismus aus. Bleiben die Schreie aus, weil das Junge geschwächt ist oder schon tot auf die Welt kommt, frisst die Mutter einfach weiter. Würde das Hamsterweibchen gestorbene oder getötete Jungen nicht auffressen, könnte der Verwesungsprozess so das ganze Nest verseuchen und der entstehende Geruch Feinde aufmerksam machen. Es ist also kein Gefangenschaftsmerkmal oder gar eine Geistesstörung, auch wenn einige übereifrige Tierschützer das oft behaupten.

Veränderungen der Umwelt

Nervöse und schreckhafte Hamstermütter fressen ihre Jungen auch noch in der Woche nach der Geburt auf, wenn sie gestört werden. Bis die Jungen nicht wenigsten eine Woche alt sind, sollte die gewohnte Pflegeperson deshalb nur die Streu in der Urinecke auswechseln. Nistmaterial darf erst nach dem Absetzen der Jungen, also frühesten nach drei bis vier Wochen, erneuert werden. Aber auch ständige Auseinandersetzungen mit dem noch in der Behausung lebenden Vater können zuviel Stress für das Weibchen bedeuten. Achten Sie also nach der Paarung immer darauf, ob das Pärchen sich wirklich noch verträgt, dies kommt allerdings wenn überhaupt nur bei Zwerghamstern vor, Mittelhamster müssen direkt nach der Paarung wieder getrennt werden.

Populationsdruck

Ist es in einer Behausung zu eng, sprich es leben zu viele Tiere in einem zu kleinen Hamsterheim, produzieren Hamster in ihrer Sternaldrüse vorübergehend keine Duftstoffe mehr. Das hat zur Folge, dass Jungtiere nicht mehr duftmarkiert, von der Mutter nicht mehr erkannt und daher aufgefressen werden.